Im Regal steht Honig das ganze Jahr. Entstanden ist er in wenigen Wochen. Wer einmal verfolgt, was in einer Imkerei zwischen Januar und Dezember passiert, versteht besser, warum es manche Sorten nur in manchen Jahren gibt – und warum ein Glas regionaler Honig etwas anderes ist als eine Mischung unbekannter Herkunft.

Januar und Februar: Ruhe, aber nicht Stillstand

Die Völker sitzen in der Wintertraube und halten sich gegenseitig warm. Geöffnet wird der Stock in dieser Zeit nicht – jede Störung kostet die Bienen Energie. Der Imker kontrolliert von außen: Gewicht des Stocks, Totenfall vor dem Flugloch, Sitz der Traube. Gearbeitet wird in der Werkstatt: Rähmchen bauen, Wachs einlöten, Gerät warten.

An den ersten milden Tagen um 10 Grad fliegen die Bienen zum Reinigungsflug. Für den Imker ist das ein erstes Lebenszeichen – und ein Hinweis darauf, welche Völker gut durch den Winter gekommen sind.

März und April: der Start

Mit Weide, Haselnuss und Krokus beginnt der erste Pollen einzutrudeln, und die Königin legt wieder. Jetzt wird zum ersten Mal richtig nachgeschaut: Futtervorrat, Brutnest, Zustand der Königin. Schwache Völker werden zusammengelegt, Waben ausgetauscht.

Ab der Obstblüte wächst das Volk schnell. Jetzt kommen die Honigräume auf die Beute – die Etagen, in denen die Bienen den Honig einlagern, der später geerntet wird. Was jetzt hereinkommt, wird die Frühtracht: hell, mild, Grundlage unserer Blütenhonige.

Mai und Juni: die intensivste Zeit

Das ist die Schwarmzeit. Ein Volk, dem es zu eng wird, bereitet die Teilung vor: Es zieht neue Königinnen heran, und die alte zieht mit einem Teil der Bienen aus. Für die Natur ist das Vermehrung, für den Imker ein Verlust – und für die Nachbarschaft eine Überraschung.

Deshalb wird in diesen Wochen alle sieben bis neun Tage jedes Volk durchgesehen. Findet man Weiselzellen, wird reagiert: Ableger bilden, Raum geben, umweiseln. Das ist körperliche Arbeit, bei jedem Wetter und an jedem Standort.

Gleichzeitig läuft die erste Ernte. Honig wird geschleudert, wenn er reif ist – erkennbar daran, dass die Bienen die Zellen verdeckelt haben und der Wassergehalt stimmt. Gemessen wird das mit dem Refraktometer, nicht nach Gefühl.

Juli und August: Waldtracht und Wendepunkt

Jetzt entscheidet sich, ob es ein Waldhonigjahr wird. Läuft der Honigtau in den Fichten- und Tannenbeständen, tragen die Völker dunklen, kräftigen Honig ein. In manchen Jahren kommt Melezitose dazu – dann muss schnell geerntet werden, bevor der Honig in der Wabe hart wird. Mehr dazu in Melezitosehonig: die Rarität aus dem Wald.

Nach der letzten Schleuderung kippt das Jahr. Die Honigräume kommen ab, die Behandlung gegen die Varroamilbe beginnt, und die Völker werden aufgefüttert – denn wir haben ihnen ihren Wintervorrat genommen und ersetzen ihn. Was jetzt versäumt wird, rächt sich im Februar.

September bis Dezember: einwintern

Im September zieht die Königin die Winterbienen heran – Tiere, die nicht sechs Wochen, sondern mehrere Monate leben. Die Völker werden eingeengt, Mäusegitter kommen vors Flugloch, die Beuten werden auf sicheren Stand gebracht.

Im Spätherbst folgt die letzte Behandlung in der brutfreien Zeit. Danach ist am Bienenstand nichts mehr zu tun. Für uns beginnt die Zeit der Märkte und Genussveranstaltungen – wo wir im Lauf des Jahres zu finden sind, steht unter Termine und Events.

Warum das im Glas ankommt

Ein Jahr Arbeit steckt in jeder Ernte, und jedes Jahr fällt anders aus. Ein nasser Mai kostet die Frühtracht, ein trockener Juli den Waldhonig. Deshalb kann eine kleine Imkerei nicht jede Sorte durchgehend anbieten – und deshalb schmeckt derselbe Honig vom selben Standort in zwei Jahren nie exakt gleich.

Die Varroamilbe bestimmt den Takt

Eine Sache zieht sich durch das ganze Jahr, auch wenn sie im Glas nicht sichtbar wird: die Varroamilbe. Sie befällt Brut und erwachsene Bienen und ist seit Jahrzehnten der Hauptgrund für Völkerverluste im Winter. Ohne Behandlung überlebt ein Volk in unseren Breiten in der Regel nicht.

Deshalb wird der Befall über das Jahr beobachtet – etwa über den natürlichen Milbenfall auf der Bodeneinlage. Die eigentliche Behandlung liegt nach der letzten Ernte, wenn kein Honig mehr im Stock ist, und noch einmal im Spätherbst, wenn die Völker brutfrei sind. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Die Winterbienen, die im September heranwachsen, müssen gesund sein, sonst fehlt im Februar die Kraft.

Was das Wetter mit dem Jahrgang macht

Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Witterung, und sie wirkt an mehreren Stellen gleichzeitig:

  • Ein warmer Februar lässt die Königin früh legen. Kommt danach ein Kälteeinbruch, kann das Volk die Brut nicht mehr wärmen.
  • Regen zur Obstblüte heißt: Die Blüten sind da, aber die Bienen fliegen nicht. Die Frühtracht fällt entsprechend klein aus.
  • Anhaltende Trockenheit im Sommer lässt Pflanzen weniger Nektar bilden und bremst die Lauspopulationen – dann gibt es weder viel Blüten- noch Waldhonig.
  • Ein milder, langer Herbst kann Völker dazu bringen, länger zu brüten als gut für sie ist.

Aus dieser Kette erklärt sich, warum zwei Jahrgänge desselben Standorts unterschiedlich schmecken und warum eine kleine Imkerei keine feste Jahresmenge zusagen kann. Was in den Gläsern landet, ist immer das Ergebnis eines konkreten Jahres – mehr dazu in Regionaler Honig: warum die Herkunft zählt.

Wer wissen möchte, wie und wo wir arbeiten, findet die Standorte und die Geschichte dahinter auf der Seite Unsere Imkerei.

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