Es gibt Honige, auf die kann man sich einstellen. Und es gibt Melezitosehonig. Er kommt nicht jedes Jahr, er lässt sich nicht planen, und wenn er da ist, bedeutet er für den Imker erst einmal harte Arbeit. Genau deshalb ist er die seltenste Sorte in unserem Sortiment – und für viele die interessanteste.
Ein Zucker, der alles ändert
Die meisten Honige bestehen im Wesentlichen aus Traubenzucker und Fruchtzucker. Melezitose ist ein Dreifachzucker, der in bestimmten Jahren im Honigtau einzelner Lausarten auftritt – vor allem an Fichten und Tannen. Für die Biene macht das keinen Unterschied; sie trägt ein, was sie findet.
Melezitose hat aber eine Eigenschaft, die alles Weitere bestimmt: Sie kristallisiert extrem schnell und extrem hart. Nicht erst im Glas, sondern bereits in der Wabe, noch bevor der Imker überhaupt schleudern kann. Der Volksmund nennt das Ergebnis deshalb Zementhonig.
Warum Imker ihn fürchten
Eine normale Honigernte läuft so ab: Waben entnehmen, entdeckeln, in die Schleuder, fertig. Bei Melezitosehonig funktioniert das nicht. Der Honig sitzt fest in den Zellen und lässt sich nicht herausschleudern – die Waben würden brechen, bevor der Honig sich löst.
Es bleiben aufwendige Wege: die Waben pressen, den Honig aus den Zellen lösen, oder die Waben gleich als Ganzes verwerten. Alles davon kostet ein Vielfaches der Zeit einer normalen Ernte. Kommt der Melezitoseeintrag unbemerkt und bleiben die Waben zu lange im Volk, sind sie im schlimmsten Fall gar nicht mehr zu retten.
Dazu kommt: Melezitosehonig eignet sich nicht als Winterfutter für das Volk. Bienen können ihn schlecht verwerten, und die Reste müssen vor dem Einwintern aus dem Stock. Der Imker muss also aufmerksam sein und schnell reagieren, wenn ein Melezitosejahr beginnt.
Alle vier bis sechs Jahre
Ob Melezitose auftritt, hängt davon ab, welche Lausarten in einem Jahr in Massen vorkommen, und das wiederum von Witterung, Baumbestand und dem Verlauf des Vorjahres. In unseren Wäldern passiert das nach unserer Erfahrung etwa alle vier bis sechs Jahre – und dann auch nur an bestimmten Standorten.
Man kann Melezitosehonig also nicht bestellen wie eine Frühtracht. Man kann nur da sein, wenn es passiert. Das ist der eigentliche Grund für die Seltenheit: nicht die Nachfrage, sondern die Natur.
Wie er schmeckt
Melezitosehonig ist tiefgoldig bis bernsteinfarben und hat eine feinkristalline, volle Konsistenz – anders als jeder geschleuderte Honig. Auf der Zunge zergeht er langsam, mit einer ausgeprägten, aber nie aufdringlichen Süße und deutlichen Wald- und Nussaromen. Viele beschreiben eine leichte Karamellnote im Abgang.
Weil er so eigenständig ist, verträgt er kräftige Partner: gereiften Käse, dunkles Brot, Wild, Nüsse. Einrühren in Tee wäre Verschwendung – er gehört auf den Löffel oder aufs Messer.
Die Grundlage für „Essenz des Waldes“
Genau diese Eigenständigkeit hat den Ausschlag gegeben, als wir gemeinsam mit dem Michelin-Sternekoch Micha Ammon an einer Honigreihe für die gehobene Küche gearbeitet haben. Melezitosehonig bringt Struktur und Tiefe mit, die ein milder Blütenhonig nicht liefern kann. Auf dieser Basis sind drei Kompositionen entstanden – für Wagyu, für Fleisch und Wild sowie für die Nachspeise. Die Hintergründe stehen auf der Seite Essenz des Waldes.
Aufbewahrung
Melezitosehonig ist bereits kristallisiert – er wird also nicht mehr fester, als er ohnehin ist. Verflüssigen lässt er sich kaum, und man sollte es auch nicht versuchen: Die Konsistenz gehört zum Produkt. Lagern Sie ihn wie jeden anderen Honig kühl, dunkel und verschlossen; die Regeln dazu stehen in Honig richtig lagern.
Woran Sie ihn erkennen
Melezitosehonig sieht anders aus als jeder geschleuderte Honig, und man merkt es schon beim Öffnen. Er ist nicht cremig wie gerührter Blütenhonig und nicht körnig wie grob kristallisierter Honig, sondern kompakt und feinkristallin – eher wie eine feste Masse, die am Löffel bricht, als wie etwas Streichfähiges.
Auf der Zunge löst er sich langsam auf. Das ist der Unterschied zu allem anderen: Man schmeckt ihn nicht sofort, sondern über eine ganze Weile hinweg, und er verändert sich dabei. Deshalb ist der Löffel pur die ehrlichste Art, ihn zu probieren.
Warum er mehr kostet
Der Preis eines Honigs ergibt sich nicht nur aus der Menge, sondern aus dem Aufwand pro Glas. Bei einer normalen Ernte sind Entdeckeln und Schleudern in wenigen Stunden erledigt. Bei Melezitosehonig fällt dieser Weg weg, und jede Alternative ist deutlich langsamer.
Dazu kommt der Verlust: Waben, die zu spät bemerkt werden, sind nicht mehr zu verwerten, und der Honig eignet sich nicht als Winterfutter, muss also ersetzt werden. Ein Melezitosejahr bringt deshalb nicht automatisch mehr Ertrag – es bringt vor allem mehr Arbeit und ein Produkt, das es sonst nicht gibt.
Wie Sie ihn servieren
- Bei Raumtemperatur servieren – aus dem kühlen Schrank ist er zu hart.
- Kleine Portionen: Ein Teelöffel reicht, weil er lange auf der Zunge bleibt.
- Als Begleiter zu gereiftem Hartkäse, zu Wild, zu Nüssen und dunklem Brot.
- Nicht in heiße Speisen einrühren – dafür gibt es günstigere und besser geeignete Sorten.
Wenn Sie ihn probieren möchten, finden Sie die verfügbaren Gläser unter Melezitosehonig. Wie er sich von den übrigen Waldhonigen unterscheidet, erklärt Waldhonig oder Blütenhonig.